Die Überprüfung von neun afrikanischen “Blue Economy” -Projekten zeigt, was funktioniert und was nicht

Afrika hat 38 Küstenländer und sechs Inseln, deren maritime Industrie einen geschätzten Wert von 1 Billion US-Dollar pro Jahr hat. Diese Zahl wird zunehmen, wenn sie ihre Offshore-Sektoren Kohlenwasserstoff, Energie, Tourismus, Seeverkehr, Schifffahrt und Fischerei entwickeln.

Diese Branchen werden gemeinsam als „blaue Wirtschaft“ bezeichnet. Sie gelten als zentral für die nachhaltige Entwicklung Afrikas. Sie können auch eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Agenda 2063 des Kontinents spielen. Dazu gehört die Erreichung von Integration, Wohlstand und Frieden.

Dazu ist es jedoch wichtig, dass die Vorteile gleichmäßig verteilt sind. Und Ressourcen müssen ökologisch nachhaltig eingesetzt werden.

Meine Kollegen und ich haben neun Fallstudien von Blue Economy-Projekten auf dem gesamten Kontinent geprüft. Dazu gehörten das Kribi-Hafenprojekt in Kamerun und das Lamu-Hafenprojekt in Kenia.

Wir konnten Erkenntnisse aus erfolgreichen und erfolglosen Projekten extrahieren.

Ergebnisse aus erfolglosen Projekten zeigten, dass die Regierungen die richtigen Absichten hatten. Der Schwerpunkt lag jedoch auf den wirtschaftlichen Ergebnissen. Soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit fanden nur begrenzte Beachtung.

Wir kamen zu dem Schluss, dass die Küstenstaaten ihre Strategien überdenken müssen, um die Ziele der blauen Wirtschaft zu erreichen.

Wir schlagen einen kollaborativen Rahmen vor. Dies würde die Top-Down- und Bottom-Up-Ansätze für das Blue Economy Management zusammenführen. Dies würde ein aktives Engagement zwischen Regierung, Industrie, anderen Interessengruppen und den lokalen Gemeinschaften während des gesamten Prozesses beinhalten – von der Konzeption bis zur Umsetzung.

Wie Erfolg aussieht

Die Projekte, die wir uns angesehen haben, betrafen alle Investoren, Regierungen und Gemeinden. Dazu gehörten Seetransport und Schifffahrt, Hafeninfrastruktur, Fischerei und Aquakultur, Phosphatabbau im Meer und Meeresschutz.

Die neun von uns untersuchten Projekte betrafen 11 Länder. Dies waren Kamerun, Elfenbeinküste, Kenia, Namibia, Gambia, Madagaskar, Seychellen, Tunesien, Ägypten, Algerien und Marokko. Drei der Fallstudien stammten aus Kenia, eine aus fünf Ländern.

Anhand unserer Fallstudien stellten wir fest, dass erfolgreiche Initiativen die Einbeziehung lokaler Gemeinschaften verstärkten und die Erhaltung natürlicher Ökosysteme förderten. Sie haben ökologische, soziale und ökonomische Merkmale erfolgreich in Einklang gebracht.

Dies geschah durch die aktive Zusammenarbeit der Regierung und anderer Interessengruppen mit den lokalen Gemeinschaften. Beispiele hierfür waren die Algenzucht in Kenia und das Projekt der Fischergemeinschaft in Madagaskar. Ein weiteres war das von der Gemeinde geführte Projekt zur Erhaltung und Restaurierung von Mangroven – „Mikoko Pamoja“ – in Kenia.

Erfolglose Projekte

Erfolglose Projekte schlossen wahrscheinlich lokale Gemeinschaften aus und untergruben ihre Lebensgrundlage. Sie tendierten auch dazu, wirtschaftliche Gewinne auf Kosten der Umwelt zu priorisieren.

Diese Projekte umfassten die Entwicklung der Hafeninfrastruktur und den Abbau von Meeresphosphat.

Projekte in Kamerun, Côte d’Ivoire, Kenia und Namibia zeigten, dass wichtige ökologische und soziokulturelle Kriterien fehlten. Dies geschah sogar, nachdem die Regierung zu Beginn lokale Gemeinschaften engagiert hatte. Aber sie haben einige ihrer Versprechen nicht eingehalten.

Ein weiterer Faktor war, dass sich die Regierungen ausschließlich auf die Entwicklung ihrer Volkswirtschaften konzentrierten und auf die negativen Auswirkungen auf die Ökologie und die Menschen verzichteten.

Dies war bei der Phosphatabbauinitiative in Namibia der Fall. Dies war auch bei Hafeninfrastrukturprojekten der Fall. In Kamerun führte das Kribi-Hafenprojekt zur Vertreibung von Gemeinden und zur großflächigen Entwaldung. Kenias Lamu-Hafenprojekt führte zur Zerstörung von Lebensräumen.

Negative Konsequenzen wie diese können zu Instabilität oder sezessionistischen Bewegungen führen. Beispiele sind Nigerias Nigerdelta und Angolas Cabinda.

Vorwärts gehen

Um das Ziel eines erfolgreichen blauen Wachstums in Afrika zu erreichen, ist ein starkes politisches Engagement erforderlich. Dies ist wichtig, um wirtschaftliche, soziale und ökologische Vorteile in Einklang zu bringen.

Wir schlagen die Annahme eines kollaborativen Rahmens vor, an dem verschiedene Interessengruppen beteiligt sind. Dazu gehören Regierungen, internationale Unternehmen, wissenschaftliche Gemeinschaften, NGOs und lokale Gemeinschaften. Sie würden während des gesamten Prozesses von der Gründung bis zur Fertigstellung gemeinsam arbeiten.

Sie müssten eine Reihe von Kriterien berücksichtigen, darunter:

  • ökologisch in Bezug auf Biodiversität und Integrität des Ökosystems;

  • wirtschaftlich, in Bezug auf nachhaltige Lebensgrundlagen und gerechte Verteilung von Zugang und Leistungen;

  • sozial und kulturell, in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden und nachhaltige Gemeinschaften;

  • Governance und institutionelle Aspekte in Bezug auf rechtliche und politische Unterstützung sowie Zusammenarbeit und Rechenschaftspflicht in Entscheidungsprozessen.

Alle Parteien müssen durchgehend aktiv sein. Durch die Beteiligung von Anfang bis Ende können Gemeinschaften Probleme lösen, die auf dem Weg entstehen.

Gemeinschaften als gleichberechtigte Partner zu sehen, bedeutet auch, dass Ängste – zum Beispiel hinsichtlich des Timings oder der Entschädigung – beseitigt werden. Beschwerden über Lebensgrundlagen oder ökologische Bedenken würden frühzeitig erkannt und angegangen.

Wenn Küstenstaaten Gewinne erzielen wollen, müssen sie auf wirtschaftliche Entwicklung, Inklusion lokaler Gemeinschaften und ökologische Nachhaltigkeit abzielen. Ein Aspekt kann nicht vor dem anderen priorisiert werden. Ohne dies riskieren sie, einen Zyklus der Instabilität fortzusetzen. Dies kann sozial, wirtschaftlich oder politisch sein.

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